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Dies ist die Antwort auf den Beitrag: Geistlicher Stand


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Mal eine längere Meinung zur Gretchenfrage, weil mich das Kommentarfeld einfach nur einschränkt. Also, wie wichtig sollte Religion im KR sein?

Mir ist das Jacke wie Hose. Ich habe früher Charaktere gespielt, die für Religion nur ein philosophisches und wissenschaftliches Interesse aufbrachten bzw. darin lustige Folklore sahen, die es aus strategischen Gründen zu respektieren gelte. Radikaler Republikaner hier, multikultureller Tausendsassa dort - in Zeiten, als man viel Rollenspiellob für die Orientierung an mittelalterlichen Denkweisen erhielt. Heute ist es glücklicherweise wieder cool, zu sagen, man solle die KR-Welt nicht ständig an mittelalterlichen (oder antiken) Maßstäben messen, man könne ja mal was Eigenes erschaffen.

Diese ganze Mittelalterdiskussion, die hier neulich geführt wurde, ist darum nicht der Grund, warum ich plötzlich demonstrativ religiöse Charaktere so toll finde. Wie man im Mittelalter dachte, sprach und regierte, ist mir alles herzlich egal, obwohl ich mit den allermeisten anderen Spielern gemein habe, nicht so furchtbar unbelesen zu sein, was das betrifft.

Ich will auch nicht mit Diskussionen im Meta-Forum den Erfolg meines Charakters Indigo flankieren.

Ich wünsche mir schlicht und ergreifend deshalb eine stärkere Bedeutung von Religion im KR, weil die Voraussetzungen des Spiels mir sie nahelegen. Ich verstehe den Klerikerstand nicht als kleines Interessengrüppchen, das im Kronrat die Chance erhält, wie auf dem Markt für seinen Glauben zu werben. Sondern ich verstehe ihn als Spiegelung der gesellschaftlichen Verhältnisse: Weil die Religion im Leben der Wesen verankert ist und eine Rolle spielt, erhalten seine Vertreter das Privileg der Aufnahme in den Kronrat (ebenso wie Bürger und Adlige).

Stärkere Bedeutung übrigens nicht insofern, als nun alle Kronräte inbrünstig und wortgewaltig den Göttern huldigen sollten, sondern vielmehr als eine stärkere Sensibilität für Religion als solche. Es ist doch zur Hälfte ein Rollenspiel, oder? Stellt euch einfach vor, ihr seid in einer Welt unterwegs, deren Bewohner jeden Tag den Naturgewalten ausgeliefert sind, für die mindestens dem einfachen und einfachsten Wesen keine rationalen, modernen Erklärungen geläufig sind. Sie werden nicht jeden Tag den Tempel aufsuchen und auch nicht jeden Tag den Priester empfangen, aber sie sehen auch ohne Geistliche, dass sie die Zusammenhänge, nach denen die Welt funktioniert, nicht beherrschen - Aberglaube und Tempellehre leben wahrscheinlich nebeneinander. In einer solchen Welt sollten die meisten Räte mindestens den Schein wahren, man sorge sich um den göttlichen Beistand.

Wie der Hochmeister immer wieder sagt: Es gibt viele Möglichkeiten. Ich hätte mir gewünscht, dass auf die adligen und klerikalen Vorwürfe und auf die Story-Anstöße hin eine interessante Möglichkeit gewählt worden wäre. Entwicklungen leugnen oder ignorieren und zur Sicherheit mit Hauruckaktionen die Vorwürfe relativieren - das kann man niemandem verbieten, aber es ist selten die spannendste Lösung.

Auch ohne permanentes klerikales Gesülze kann man Religion ernstnehmen. So wie die Spielwelt angelegt ist, muss man das meiner Meinung nach sogar, völlig egal ob man einen gläubigen oder ungläubigen Charakter spielt, weil der Charakter sich dieser fiktiven "Realität" gegenübersieht.

Aber wenn die Bedeutung der Religion in der KR-Welt von Spielern (!) so stark abgeschwächt oder negiert wird ... dann verliert der Klerikerstand seine Legitimation. Und sollte abgeschafft werden. Genau wie die formelhaften Gebete an die Götter, wie sie in manchen (auch bürgerlichen) Kommentaren und Reden verwendet werden, dann ein wenig ihren Sinn verlieren.

Und damit wäre ich vollkommen einverstanden, weil es dann wieder einigermaßen schlüssig wäre.

Kurz: Man kann im KR sicherlich fast alles etablieren, was man möchte, auch einen mächtigen Glauben innerhalb weniger IG-Jahre, darum geht es mir aber gar nicht. Sondern nur um den Kontrast zwischen den Voraussetzungen der KR-Gesellschaft (wie ich sie verstanden habe) einerseits und den Charakteren im KR andererseits. Eine der beiden Seiten passt momentan nicht so glücklich zur anderen - welche, das ist mir eigentlich egal.

Kommentare

Nu, dass die Bulle nicht besonders geglückt ist, sagte ich ja schon zu Beginn von KR3, aber da es ja BETA ist, kann man ja noch was ändern - und (NOCH) hat der König die macht es zu tun, also nicht wirklich ein Problem - es bedarf nur einer Ansprache und die Bulle ist geändert, per Erlass – hihe am 08. Apr 2011
Nochmal: es ist zwar dem Klerikerstand erlaubt am Kronrat teilzunehmen, aber die Götter sind nicht teil der Gesetzgebung. Kronräte werden sogar durch die Reichsbulle geschützt, so dass sie wegen Götterlästerung z.B. nicht belangt werden können, da dieses nicht in der Bulle verankert ist und die Bulle sogar sagt: du kannst erst wegen eines anderen Gesetzes belangt werden, wenn du gegen die Bulle verstoßen hast. – Maurakin am 08. Apr 2011
Ach, und, wenn es "keinen Glauben gibt, bzw. Religion so "unwichtig" ist wie heute, was unterscheidet KR dann noch (außer der fehlenden Technik) vom RL, da die Magie auch weg ist? Der Glaube war jahrhundertelang einende Kraft der Gesellschaften. Eine "unaufgeklärte" vorindustrielle Gesellschaft ohne (starken) Glauben (oder Magiegläubigkeit) gibt es nicht! Nirgends! – hihe am 07. Apr 2011
Na öha, aber: Jene, die jetzt so tun akls wäre der Glaube in der KR-Gesellschaft nicht stark veerankert, der / die hat wohl kaum Ahnung was ein "Stand" darstellt. Dass neben den Adeligen und den Bürgern der Klerus einen eigenen Stand IN DER BULLE innehat zeigt doch schon dessen Bedeutung und und damit den des Glaubens. Wer das jetzt runterspielt oder gar verleugnet, der hat irgendwas nicht richtig begriffen, sorry, aber ich halte diese Diskussion angesichts eines Klerikerstandes für überflüssig. – hihe am 07. Apr 2011
Naja, die Einbindung der Götter in die Präambel hätte niemandem weh getan... Nur hätte man dann als Kronrat eben auch mal aus religösen Gesichtspunkten heraus handeln können, im Moment gibt es nichts, worauf man sich beziehen kann, wenn jemand Atheist ist oder götterlästerlich handelt. Die Reichsbulle schützt ja sogar die Kronräte vor allen "niederen" Gesetzen, solange sie nicht gegen die Reichsbulle selbst und deren Pflichten verstößt. Ein Prozess wegen Gotteslästerung wird also kaum spannend. – Maurakin am 06. Apr 2011
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