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Nach Corly, dem ich in seiner Antwort weitgehend zustimme, möchte ich noch ein paar Sätze zu Storytelling-Hoheit und zum Provinzvertreter verlieren.

Für diejenigen, die nicht alles lesen wollen, hier alles auf einen Blick:

1 ) Es wird in jedem System immer Spieler geben, die besser als andere über ein Land bescheid wissen, gut mit NPCs vernetzt sind und das gegen missliebige Storys verwenden können. Storytelling-Hoheit existiert und lässt sich nicht per se verhindern.

2) Sie ist von der Akzeptanz der Spieler abhängig. Die Spieler können Fehlverhalten immer mit „Liebesentzug“ bestrafen.

3) Das entspricht der Idee eines Wahlahmtes „Provinzvertreter“.

4) Ein offizielles Wahlamt macht es leichter und logischer, das Ausschließen anderer Spieler zu bestrafen.

5) Der Provinzverteter bietet dem Spiel mehr Vorteile als der inoffizielle De-facto-Vertreter.


Storytelling-Hoheit?

Was meint das eigentlich? Ich verstehe Hoheit hier nicht so, dass es einen Bestimmer gibt, der das letzte oder gar einzige Wort in Story-Fragen hat. Diese Befürchtung ist vollkommen unbegründet, denn niemand wird je daran gehindert werden können, eine Story in einem Land zu beginnen – und über deren Akzeptanz entscheiden letztlich alle anderen Spieler. Daran würde übrigens auch das Amt eines Provinzvertreters nichts ändern.

Warum Storytelling-Hoheit unvermeidlich sein wird

Es gibt aber sehr wohl Spieler, die erstens mehr Ahnung von einer Provinz haben (oft haben sie schließlich selber eine Menge Fakten geschaffen) und zweitens gut mit den Provinz-NPCs vernetzt sind (das muss gar nicht direkt der Statthalter/Fürst sein). Nennen wir sie einmal Ober-Storyteller wie Markus. In dieser Stellung sind sie anderen Spielern in dieser Provinz überlegen, und wenn sie eine Story behindern möchten, werden sie das auf den unterschiedlichsten Wegen tun können: 1) Die Glaubwürdigkeit infrage stellen. Sehr leicht, wenn der Story-Schreiber schlecht im Archiv recherchiert hat. 2) Die NPCs so einbinden, dass sie den Verlauf der Story übermäßig erschweren. 3) Die Story kapern, indem man sie bestätigt, aber ihr jeden bedrohlichen Wind aus den Segeln nimmt.

Die Blockade wird nicht in jedem Fall erfolgreich sein, denn letztlich entscheiden wieder alle Spieler gemeinsam, ob eine Story akzeptiert wird. Aber es wird schwierig werden, die IG-Logik zu durchbrechen, die der Ober-Storyteller auswendig kennt oder zu einem guten Teil sogar selber gesponnen hat.

Markus meint, es gebe zumindest Möglichkeiten, die starke NPC-Bindung einzuschränken. Für den eigentlichen Provinzfürsten- oder Statthalter mag das noch angehen, das ist eine übersichtliche Zahl, aber wenn sich der Spieler mit dem engsten Beraterstab des Fürsten/Statthalters, den Vorsitzenden aller Zünfte und den Hohepriestern trifft, die ja auch einiges (wenn nicht mehr!) zu sagen haben, wird es sehr schnell sehr unübersichtlich, wenn man das kontrollieren und sanktionieren möchte. Ich halte das schlicht für unmöglich und auch dem Storytelling eher abträglich, solche Bindungen künstlich zu begrenzen.

Und jetzt kommt der Clou: Diese Ober-Storyteller brauchen gar kein Amt für diese Macht. Sie erhalten sie ja durch Ansprachen, mit denen sie Fakten schaffen, und durch die Akzeptanz dieser Fakten durch die anderen Spieler.

Wann werden Storys überhaupt jemals abgewiesen?

Nur in einem einzigen Fall wird der Ober-Storyteller überhaupt ein Interesse daran haben, eine fremde Story zu blockieren: Wenn seine Hoheit bedroht ist. Und die basiert auf all den Fakten, die er mal geschaffen hat. Wenn die durch eine Story umgeschrieben werden („Das Volk stürzt den König“ - „Die Priester beherrschen jetzt das Land“ - „Die Religion wird ausgetauscht“ - „Wir sind jetzt mit dem schlimmsten Feind seit Zeitaltern eng verbündet“ - etc.) oder sogar zugunsten einer spannenden oder politisch erwünschten Story komplett missachtet werden, ohne sich im Mindesten mit dem Ober-Storyteller abzusprechen, wird der nicht erfreut ausrufen: „Oh, wie wunderbar, eine Herausforderung!“, sondern eher so etwas wie: „Spieler X wirft mal eben 100 Ansprachen über den Haufen!“

Es ist nicht so, dass man mit seinen Texten verheiratet ist – aber man wünscht sich einen respektvollen Umgang mit ihnen. Wenn schon die Revolution ausgerufen wird, sollte man das Land gut genug für eine so anspruchsvolle Story kennen, d.h. Bevölkerung, Religionen, etc. Und vor allem sollte sie sich langsam weiterentwickeln und die Chance des Misserfolgs zulassen. Am besten sprechen beide Spieler den unmittelbar nächsten Schritt ab, damit die Story auch ein Produkt von allen beiden ist, das beiden Spaß macht und beiden eine Möglichkeit gibt, ihren Charakter sinnvoll weiterzuspielen.

Aber wenn der Ober-Storyteller nicht einen Millimeter von seinem Alleinvertretungsanspruch abweicht?

Das ist natürlich der Worst Case, und hat es das überhaupt jemals gegeben? Aber nehmen wir mal an, es gäbe solche Spieler, die glaubten, ihnen gehörte ein Teil der Spielwelt. Wenn so jemand den Rückhalt einer Mehrheit der Spieler hat, wird er sein Verhalten nicht ablegen. Die Mehrheit der Spieler muss ihm also seine Grenzen aufzeigen. Und von dieser Einsicht ist es auch nicht mehr weit zu dem Vorschlag, gleich ein formales Misstrauensvotum gegen den Spieler einzureichen, das ihm seine Legitimation nimmt, über das Land zu berichten. Der Kronrat bräuchte dann eine neue verlässliche Quelle für Informationen aus dem Land, also müsste ein neuer Vertreter gewählt werden. Und auch dieser Vertreter hätte anderen Spielern Storytelling-Rechte zu gewährleisten, statt daraus seinen alleinigen Milch-und-Honig-Staat zu machen.

Man könnte eine solche Person dann Provinzvertreter nennen. Ich sehe eine solche Person also eher sehr positiv:

Das Amt des Provinzvertreters

1) Er ist von der Spielfunktion her jemand, der sich ein bisschen um das Land kümmern und es aktiv und im politischen Betrieb halten muss.

2) Er kann anderen Spielern helfen, Storys für dieses Land zu schreiben.

3) Ihm gehört das Land nicht allein, und deshalb kann er bei Fehlverhalten und Vertrauensverlust vom Kronrat abgesetzt werden. IG-logisch kann es mit der Feststellung begründet werden, dass seine Beteuerungen den Aussagen anderer Kronräte aus dieser Provinz massiv widersprechen, ohne dass es nachvollziehbar wäre.

Bis dann!

Kommentare

@Benares: Die Absetzungsmehrheit ist nicht wichtig, solange die einfache Mehrheit über die Wahl des Postens entscheidet ist diese auch ausschlaggebend. – Markus am 11. Feb 2010
Die politische Mehrheit kann in jedem System seine Günstlinge installieren, und die können in jedem System Storytelling-Macht gewinnen. Das offizielle Amt ist nur die Institutionalisierung dessen, was sowieso besteht. Und was spräche gegen eine (lagerübergreifende) 2/3-Mehrheit für eine Absetzung? – Benares am 10. Feb 2010
@ Markus: Jetzt grenzt es aber langsam an Schwarzmalerei, anstatt nur mit wenig Hoffnung bestückt zu sein! ; ) Welche Zwecke? Sicher wird größtenteils immer nach Sympathie gewählt werden, aber im Falle eines klaren Missbrauchs gäbe es bei diesem KR ja noch die Instanz der SL, die eingreifen könnte! – Corly am 10. Feb 2010
Euer Konzept funktioniert nur wenn die Kronräte die Wahl eines Provinzvertreters von dessen guten Absichten (Interaktivität etc.) abhängig machen. Das wird aber nicht passieren. Vielmehr wird die jeweilige Mehrheit im Kronrat den auf den Posten setzen, der das Amt für ihre Zwecke gebraucht. – Markus am 10. Feb 2010
Speziell die Punkte 3 bis 5 sind gute Argumente für eine solches Provinzamt. Gut herausgearbeitet und Zustimmung meinerseits. – Pierre de Siorac am 10. Feb 2010
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