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Mit Interesse verfolge ich die aktuelle Diskussion über die Provinzstrukturierung. Die damit einhergehende Fragestellung, wie eine Spielbalance geschaffen werden kann, die einerseits genug Freiheiten für freies Storytelling in den Provinzen bietet, andererseits jedoch auch eine übermäßige Machtakkumulation gewisser Spieler verhindert, nimmt aus meiner Sicht absolut konstruktive Formen an.

Zur Zusammenfassung bisherigen Diskussionslage, will ich mal die aktuelle Ausgangslage zusammenfassen:

  1. Zentralismus als NO GO

Soweit ich die Stimmmeldungen richtig interpretiere hat sich eine große Mehrheit der hier beteiligten Diskussionsteilnehmer gegen ein zentralistisches Spielelement ausgesprochen. Ergo: Es gibt Provinzen und damit stellt sich die Frage nach der Provinzgestaltung.

  1. Föderative Struktur ja – Benares und Corlys Ansichten

Aus Punkt eins entsteht Punkt 2 und damit stellt sich die Frage nach der Provinzstrukturierung. Hierzu hat sich Benares und Corly geäußert.

a) Beide sprechen sich für Provinzstatthalter aus, die per Wahl vom Kronrat bestimmt werden. b) Diese Personen sind Vermittler zwischen der NPC Provinzregierung und dem Kronrat, übernehmen also ein Vermittleramt (habe ich das richtig verstanden?). c) Diese Provinzstatthalter können vom Kronrat eingesetzt und abgesetzt werden d) Der Kronrat wird, so die Meinung von Corly und Benares, eine Milch und Honig Darstellung nicht akzeptieren bzw. mit Liebesentzug bestrafen und damit wirksam ein Platzhirschverhalten der Provinzstatthalter verhindern. e) Auch das unterbinden von anderen, machtpolitisch nicht gewollten Storys durch eine „stimmt nicht, ich bin der Provinzstatthalter und weiß es besser“ Haltung wird von dem Kronrat nicht akzeptiert und mit Liebesentzug oder einer Absetzung bestraft.

Soviel zu Benares und Corlys Vorschlag.

  1. Föderative Struktur nach Markus´ Vorschlag

Markus dagegen spricht sich auf für eine föderative Struktur mit Provinzen aus, kritisiert jedoch speziell die Punkte d) und e) aus Corlys und Benares Argumentation. Er spricht – aus meiner Sicht durchaus schlüssig – einen wichtigen Punkt an: Der Umstand, dass ein Kronrat per Wahl zum Statthalter bestimmt wird, sichert keineswegs ein konstruktives Storytellingklima, so die Kernaussage aus Markus Kommentaren. Vielmehr, so Markus, besteht die Gefahr, dass diese Ämter zukünftig eine primär machtpolitische Position vereinnahmen und damit gerade dem Platzhirschverhalten, dass Benares und Corly umgehen wollen, Tür und Tor öffnen. Oder anders ausgedrückt: Die Wahl zum Statthalter einer Provinz und die damit einhergehende per Amt zugeführte intime Vermittlerfunktion zwischen Kronrat und Provinz mag – wenn Sie von einem Statthalter ausgeübt wird, der sich um ein intensives und faires Zusammenspiel bemüht – durchaus sinnig sein und auch eine Integration vieler Storyteller auf Provinzebene begünstigen. Wenn jedoch – so zumindest verstehe ich Markus – ein gut vernetzter und mit einflussreichen Freunden gesegneter Despot die Statthalterposition vereinnahmt, so ist zu erwarten, dass jeder Versuch eine Geschichte anzutreiben, die der Provinzstabilität und damit auch den politischen Karriereplänen des Statthalters entgegenwirken, im Keime erstickt werden. Auch die allseits kritisierte Milch und Honig Disposition der Provinz könnte gerade in solchen Fällen nicht ausgeschlossen werden. Denn: wer bereits Statthalter ist, will es auch bleiben, oder sich für noch höhere Ämter bewerben. Angesichts dessen sind Berichte über Aufstände und Hungersnöte in der eigenen Provinz kein Qualitätskriterium mit dem man sich als Statthalter gerne schmückt.

Fassen wir Markus Gegenargumente also zusammen:

a) Das Amt des Statthalters einer Provinz wird meist nicht als moderierendes de facto Spielleiteramt begriffen, sondern vereinnahmt eine machtpolitisch relevante Position. b) Das ausfüllen eines Statthalteramtes kann einem Karrierezweck dienen. Eine Wiederwahl zum Statthalter einer Provinz oder der Sprung in die Zentralregierung ist gerade dann wahrscheinlicher, wenn man in der Provinz gute arbeit leistet. Dies begünstigt eine Milch und Honig Darstellung und erhöht den Beisreflex, sollte sich ein anderer Spieler mit negativen Meldungen über die Provinz des Statthalters hervortun (wollen). c) Die potentielle Möglichkeit einen Statthalter abzusetzen ist hypothetisch. Ein gut vernetzter Provinzdespot darf sich mehr erlauben, als ein fantasiereicher Jungkronrat. Das sind die Mechanismen, die in diesem Spiel stets gewirkt haben und stets wirken werden. Die Möglichkeit der Sanktion bzw. des Liebesentzugs gegen einen Provinzstatthalter, der eine Milch und Honig Darstellung seiner Provinz bevorzugt ist damit eher theoretischer Natur. Wer gut vernetzt ist, darf Hungersnöte mit einem Fingerschnippen beseitigen – die richtigen Unterstützer vorausgesetzt. Das ist Beklagenswert, aber nun mal Fakt. KR1 und KR2 haben dies deutlich gezeigt.

Markus Kritikpunkte – dies sei an dieser Stelle gesagt – erscheinen mir sehr plausibel. Glücklicherweise hat Markus auch einen Vorschlag eingebracht, mit dem er diese Probleme umgehen möchte:

a) Markus schlägt vor, dass die Spieler nicht direkt auf die NPC Provinzfürsten zugreifen können. Damit, so Markus Aussage, wäre sichergestellt, dass sich keine übermächtigen Netzwerke herausbilden, die wiederum schädlich für Storytellingprozesse sind. b) Konkret schlägt Markus hier ein Zwischenschalten der Spielleitung oder des Innenministers vor.

Diese Lösungsvorschläge sind interessant; vor allem deshalb, weil Sie indirekt eine Situation herbeiführen, in der quasi jeder eine Story in der Provinz anleiern kann und kein eifersüchtiger Statthalter interventionierend eingreifen kann. Gleichzeitig – und hier muss ich leider eine gewisse Kritik üben – sollte die Kreativität der Mitspieler nicht unterschätzt werden. Als findiger Spieler könnte man– wenn schon der Zugriff auf den NPC Provinzfürsten nicht möglich ist – einfach auf dessen Lieblingsvasallen/Cousin/Kartenleger zurückgreifen. Damit wäre der findige Spieler zwar nur der Stellvertreter eines Vasallen, gleichzeitig kann sich hieraus dennoch eine gewisse Machtposition ableiten. Die Zugriffsverweigerung auf den NPC Fürsten, würde damit schlicht storytechnisch mit einem Rückgriff auf die untere Führungsschicht der Provinz umgangen werden. Ist ein solches Netzwerk in unzähligen Nebenhandlungssträngen über mehrere Reden sehr subtil aufgebaut worden, so gibt es kaum wirksame Möglichkeiten dagegen vorzugehen. Insoweit würde ich dieser Lösung eine eher geringe Umsetzbarkeit attestieren.

Gleichzeitig finde ich die Kritikpunkte von Markus absolut gerechtfertigt. Er hat es selbst angedeutet: man darf nicht zwingend von einem altruistischen Spieler ausgehen. Lasst mich das sagen: ich teile diese Meinung.

Andererseits aber glaube ich, dass ein Provinzamt immer noch das kleinere Übel darstellt. Eine anarchistische Storytellingstruktur, in der jeder sich ein Verhältnis zum NPC Provinzfürsten herbeischreiben kann – ist aus meiner Sicht – gefährlicher, als ein zeitlich befristetes Statthalteramt (meint Vemrittler zwischen NPC Provinzregierung und Kronrat) mit verfassungsrechlich fixierten Regeln und Grenzen.

Dennoch gilt eines: Markus hat insoweit recht, als auch ein zeitlich befristetes Statthalteramt meist machtpolitische Relevanz vereinnahmt. Wie also kann man die von Markus befürwortete Storytellingfreiheit umfassend für alle Spieler sicherstellen, gleichzeitig aber ein regulierendes Organ in Form eines Statthalters (als Vermittler zwischen Provinzregierung und Kronrat) beibehalten?

Ich habe mich dieser Frage in den letzten Tagen von mehreren Seiten genähert und bin zu einer Lösung gekommen. Hier mein Vorschlag.

  1. Föderative Struktur nach PdS Vorschlag

a) In meinem Vorschlag gibt es einen Statthalter, der als Vermittler zwischen Kronrat und der Provinzregierung (die aus NPC-Spielern besteht) agiert. Dies deckt sich mit Corlys und Benares Sicht der Dinge.

b) Anders als bei Corlys und Benares Vorschlag will ich jedoch jedem Storyteller in der Provinz der gegebenenfalls über ein unliebsames Ereignis berichtet ein Instrument zur Hand geben, dass es ihm ermöglicht gegen ein Beschneiden seiner Story vorzugehen. Wie soll das Funktionieren? Ganz einfach: Sollte ein Statthalter eine Milch und Honig Darstellung pflegen oder gar die unliebsamen Storys mit einer „Ich bin Statthalter, ich weiß es besser“ Attitüde einfach wegwischen, so kann der Storyteller bei den drei Vorsitzenden der Stände (Adel, Bürger, Klerus) einen Antrag auf die Entsendung eines Sonderbotschafters stellen. Findet sich nur ein Standesvorsitzender, der diesem Gesuch zustimmt, so müssen alle drei Standesvorsitzende Einstimmig binnen zweier Tage einen Sonderbotschafter benennen, der in die Provinz reist und letztlich über die Ereignisse als Schiedsrichter berichtet. Gelingt es den Standesvorsitzenden nicht einen Sonderbotschafter zu benennen, so übernimmt der Innenminister diese Aufgabe. Allein die Möglichkeit einen Sonderbotschafter ins Spiel zu bringen stärkt damit die Position des Provinzstorytellers und schwächt die Position des Statthalters. Dies dürfte – so meine Vermutung – dazu führen, dass die Statthalter integrativer agieren und auch bei der stets beliebten Milch und Honig Darstellung fürchten müssen, dass hier jemand einen Sonderbotschafter ins Spiel bringt, der möglicherweise den Statthalter öffentlich der Lüge überführt. Das Spiel wird damit einerseits unvorhersehbarer, andererseits für die Provinzstoryteller ohne Amt deutlich interessanter.

c) Doch damit nicht genug. Ich habe noch eine zweite, deutlich mächtigere Waffe für die Storyteller vorgesehen: Jeder Kronrat kann einen Antrag auf Absetzung des Statthalters bei den Standesführern einreichen. Finden sich zwei Standesführer, die diesem Vorschlag zustimmen, so wird der Statthalter aus dem Amt gehoben. Das Statthalteramt wird damit zu einem Schleudersitz werdet Ihr Anmerken. Richtig. Genau so ist es auch gedacht. Wer als Statthalter agiert, sollte integrative Fähigkeiten und gutes Rollenspiel anbieten können. Ist dies nicht gegeben, so darf sich der Statthalter nicht auf irgendwelche Seilschaften oder Mehrheiten stützen. Dazu gehört dann eben auch, dass man recht schnell aus dem Amt gehoben wird, sollte man sich gegen gute Storys stützen. Ausserdem sollte das politische Spiel sich um die turnusmäßig zu besetzenden Regierungsposten im Kronrat selbst drehen und nicht um die Provinzposten. Damit ist auch eine deutliche Abstufung ersichtlich: Die Provinzposten sind machtpolitisch eher ein Schleudersitz und deutlich weniger attraktiv für die lediglich auf eine politische Karriere bedachten Vollblutpolitiker. Dies führt hoffentlich dazu, dass die Provinzen von guten Storytellern besetzt werden, während sich in Kronstadt die Vollblutpolitiker austoben können und die eher undankbaren Provinzämter meiden.

d) Der letzte Punkt meines Vorschlags: Ihr wisst, ich bin ein Freund der Stände und finde die Standesführer in ihrem machtpolitischen Spielraum etwas eingeschränkt. Oder anders gesagt: Bislang haben die Standesführer – abgesehen vielleicht von moderierenden Funktionen – kaum Gestaltungsspielräume. Gerade in diesem Punkt möchte ich nun ansetzen. Ich habe hier immer von Statthalter gesprochen, jedoch die Frage unbeantwortet gelassen, wie diese Vermittler zwischen NPC Provinzregierung und Kronrat überhaupt bestimmt werden. Ich bin gegen eine Wahl, weil wir durch die turnusmäßige Besetzung der Regierungsämter bereits fast alle drei Wochen Wahlkampf haben werden. Deshalb würde ich folgendes Vorschlagen: Der Statthalter einer Provinz muss Einstimmig durch die Standesführer besetzt werden. Das ist nur logisch: Die Standesführer besetzten und nehmen Ämter, sind also in Ihrem Gestaltungsspielraum aufgewertet (siehe 4c). Gleichzeitig stellt das Einstimmigkeitsprinzip eine interessante Spielvariante dar. Die Standesführer müssen nun in Verhandlungen Provinzen mit Leuten des eigenen Standes besetzten, brauchen dazu jedoch stets die Zustimmung der anderen Provinzen. Jedes Standesmitglied wird darauf achten, wie sich der Standesführer in den Verhandlungen schlägt und ob es ihm gelingt einen Statthalter durchzusetzten, der dem eigenen Stand entspringt. Dies macht das Spiel nochmals deutlich interessanter. Zudem kann durch das Einstimmigkeitsprinzip sichergestellt werden, dass keine polarisierenden Kandidaten zum Statthalter werden. Die Kandidaten sind meist Kompromisskandidaten, die von allen drei Standesführern abgenickt werden müssen. Die Hardcore Milch und Honig Fraktion, aber auch die Hardliner werden es daher ohnehin nicht auf die Statthalterämter schaffen. Auch damit ist also schon mal ein freies Spiel in den Provinzen eher möglich.

Soviel zu meinem Vorschlag und der aktuellen Diskussionslage.

Kommentare

@Batu: Dem widerspreche ich nochmals: Ein Statthalter ist der oberste Politiker/Beamte seiner Provinz. Es wurde jedoch angedacht dies an einen NPC-Char zu geben und der Spieler lediglich als dessen wählbares und austauschbares "Sprachrohr" zu definieren. – Markus am 25. Feb 2010
Im Sprachgebrauch des Kronrates ist "Statthalter" wohl schon der richtige Begriff, Markus. Man könnte je nach Stand aber auch andere Bezeichnungen pflegen, wie für Adel "Provinz-LEGAT!, für Gemeine "Provinz-PRÄFEKT" und für Geistige "Provinz-VIKAR", in Anlehnung an Bezeichnungen aus der röm. Antike. – Batu am 25. Feb 2010
Du verlagerst die Kontrolle ja vom gesamten KR auf die Standesführer, es wird aber (idealerweise) nicht polarisiert wegen des Einstimmigkeitsprinzips ... Liest sich alles sehr durchdacht, gefällt mir gut! – Benares am 14. Feb 2010
Ich stelle mich hinter diesen Vorschlag. Anstatt "Provinzstatthalter" würde ich jedoch lieber "Provinzbeauftragter" oder ähnliches hören, denn Statthalter setze ich mit Chef gleich. Außerdem wäre zu begrüßen wenn wir in der Verfassung erwähnen, was die NPC-Provinzregierungen für Kompetenzen haben. – Markus am 13. Feb 2010
... natürlich müsste dafür die Spieler- & Provinzanzahl stimmen und man könnte das erst im Laufe des Spiels in die Gesetzgebung einarbeiten! Vielleicht sollte man den Statthalterposten auch auf zwei Personen ausdehnen, um noch mehr interaktives Schreiben zu fördern! (+) – Corly am 12. Feb 2010
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