Für mich ist die Debatte ganz sicher nicht ausgelutscht und die Argumente nicht alle ausgetauscht, nach dem Motto: „Jetzt ist aber mal gut, und die SL wird schon total weise entscheiden.“ Ich habe schon den Anspruch, ein bisschen Entscheidungshilfe zu leisten.
Hier, während sich die Details noch in der Planungsphase befinden, ist genau der richtige Ort, um solche Fragen, die immerhin mittelbar und unmittelbar die Konstruktion der Spielwelt beeinflussen, in der wir uns austoben wollen, zu besprechen.
Bisher fehlte mir eine stichhaltige Begründung, warum man die Freiheit bei der Rassenwahl beschneiden sollte. Jetzt heißt die Losung: Der Verlust könnte ja eigentlich ein Gewinn sein, und der läge in einer moralischen Diskussion im Kronrat.
Mehrwert in der Beschränkung (?)
Den kann es natürlich geben. Oft reicht der durch die Beschränkung erzielte Wert allerdings nicht an den Wert heran, den man im gleichen Zuge streicht, und der Verzicht auf zwei den vier anderen sehr ungleichartigen Rassen ist so ein Fall. Ob die Ingame-Diskussion um den Status von Orks und Trollen überhaupt geführt würde, mal vom Ergebnis völlig abgesehen, steht längst nicht fest, wohl aber die eingeschränkte Rassenwahl. Dann wäre das ein eindeutiger Malus und kein Mehrwert mehr. Ein bisschen fühle ich mich an das Bild vom Esel und der angebundenen Karotte erinnert. Zudem kann man genau dieselbe Diskussion auch mit spielbaren Orks und Trollen führen. Der Hochmeister hat es auf seine ablehnende Weise im Kronrat 2 vorgemacht, und es spricht nichts dagegen, dass es wieder funktionieren könnte.
Genau dieselbe Diskussion könnte mit derselben Berechtigung im Kronrat übrigens auch umgekehrt geführt werden: Sollen Orks und Trolle aus dem Kronrat ausgeschlossen werden, weil sie so fremd und möglicherweise mit den Clanlanden verbandelt sind, also eine potentielle Gefahr darstellen? Dann wären Orks und Trolle von Beginn an spielbar. Auch diese Variante könnte insofern spielerisch attraktiv sein, als die von mir angerissenen politischen Auseinandersetzungen mit den Clanlanden sich auf diese harte Maßnahme anschließen müssten. Die Argumentation ist hinter beiden Varianten dieselbe.
Dennoch: Aus einem leicht zu erschließenden Grund wäre ein solches Szenario während des Spiels unfair gegenüber einigen Spielern, die bereits einen Ork oder Troll verkörpern. Die erzielten Fortschritte wären in diesem Fall leider hinfällig. Diesen Spielverderber wollten vielleicht nicht viele Spieler geben, darum könnten Hemmungen auftreten, diese Konsequenz zu ziehen.
Aber diese Hemmung, das Spielfeld zum Verdruss vieler Spieler und ohne innere Notwendigkeit immer weiter zu umzäunen, muss nicht das Schlechteste sein. Manchmal erreicht man ganz traditionell mehr, wenn man den Wert in den Möglichkeiten des Spiels sucht und nicht in seiner künstlichen Verengung.
Darum möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich Batus Vorschlag von den „bösen Spiegelbildern“ der Rassen unterstützen, der neue Möglichkeiten der Charaktergestaltung schafft und spielbare Orks und Trolle nahtlos in die Spielwelt einfügen lässt, indem er das allzu plumpe Gut/Böse-Schema aufbricht. Und damit wünsche ich einen schönen Feierabend. ;)