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Dies ist die Antwort auf den Beitrag: Provinzen - Möglichkeiten, Lösungen und Probleme


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Im Zusammenhang mit der Frage „Provinzen – ja oder nein?“ wird immer wieder auf das Problem von sogenannten Storytelling-Rechten hingewiesen, die sich zu einer regelrechten „Hoheit“ entwickeln und daher A) andere Spieler von einer Provinz ausschließen, B) die damit verbundene Macht in einer Person bündeln und ein Erpressungspotential gegenüber dem Kronrat herstellen sowie C) zu einer „Milch und Honig“-Darstellung der Provinz ohne ernsthafte Herausforderungen für den Spieler, wie Maurakín befürchtet, führen könnten.

Konkret kann dies Folgendes bedeuten: Der Spieler hinter dem Vertreter einer Provinz …

… kontrolliert bestimmte Handelswege oder Wirtschaftszweige, … kontrolliert allgemein wichtiges Territorium, … kontrolliert den Sitz einer rivalisierenden Organisation, … kontrolliert einen zentralen Teil des Heeres, … wird sich selbst keine Herausforderungen herbeischreiben, an denen sein Charakter scheitern und abtreten müsste, … kann, wenn er es geschickt anstellt, andere Spieler und damit mögliche Störfaktoren von Storys ausschließen, … kontrolliert das Stimmverhalten der Provinz, sollte es ein entsprechendes Gremium geben, … kann seinen Spielraum mit anderen Kronräten dieser Provinz teilen und so seinen Einfluss im Kronrat ausbauen, … kann dasselbe mit Bündnissen mit anderen Provinzvertretern bewerkstelligen … und vieles mehr.

Nicht alles davon ist schlecht, vieles kann dem Spiel sogar eine Menge Spannung verleihen. Die guten und die schlechten Möglichkeiten lassen sich aber meiner Meinung nach nicht trennen. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte: Nichts davon lässt sich mit Sicherheit verhindern, solange das Spiel Storytelling zulässt.

Warum ich Pierres Variante 2 trotzdem für machbar halte

Pierres Variante eines föderativen Systems mit Spieler-Provinzfürsten könnte dennoch funktionieren, da die Vertreter vom Kronrat gewählt würden. Die Macht, die sich in einem einzigen Charakter sammelt, ist also stets von der Gnade aller anderen Charaktere abhängig, wodurch das bedrohliche Erpressungsszenario natürlich einiges an Schrecken verliert. Sollte sich die Macht eines Provinzfürsten tatsächlich einmal gegen die Interessen der Mehrheit des Kronrates richten, ist der Grund für eine Auswechselung des Vertreters gegeben, was an sich schon eine höchst spannende Angelegenheit sein kann, weil sie immer auch die Chance des Misserfolgs beinhaltet.

Ein zahnloser Tiger ist die Absetzung natürlich dann, wenn alle Kronräte gleichermaßen den Kronrat ad absurdum führen, weil die Absetzung dann keine Mehrheit findet. Eine Krähe hackt der anderen schließlich kein Auge aus. Damit wäre Variante 2 gescheitert, zugegeben, aber das wäre wirklich der Worst Case.

Warum ein rein zentralistisches System sogar die schlechteste Lösung wäre

Auch in einem Reich, das keine Provinzfürsten kennt, weder NPCs noch Spieler-Charaktere, sondern das bis in den letzten Winkel hinein vom gesamten Kronrat regiert wird, hören Storytelling-„Hoheiten“ nicht plötzlich auf, zu existieren. Ein Spieler, der monatelang von seinen Reisen durch Taka-Tuka-Land berichtet und sich womöglich nebenbei zum persönlichen Vertrauten der dort dominierenden Adelsdynastie hochgeschrieben hat, wird durch seine Reden eine Menge Fakten zu Taka-Tuka-Land geschaffen haben und deshalb ganz automatisch eine hohe Kenntnis von diesem Landstrich besitzen, letztlich zum Experten werden. Alle anderen Spieler sind zunächst im Nachteil, da sie es weder politisch noch in puncto Landeswissen mit dem Experten aufnehmen können, was eine Konkurrenz zumindest erschwert. Falls der De-facto-Provinzvertreter jemals auf den Gedanken kommen sollte, seine Macht gegen den Kronrat zu richten, wird der Kronrat ihn in einem zentralistischen System allerdings nicht absetzen können, denn ein solches Amt besitzt er schließlich gar nicht. Als Ausweg dienen dann nur noch gewaltsame Auseinandersetzungen, Ignoranz der Reden und schlechte Redebewertungen – oder eben als Notnagel die SL, die den Zugang des Aufmüpfigen sperrt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das Problem von Storytelling-„Hoheiten“ löst sich im Zentralismus nicht in Wohlgefallen auf – schlimmer noch, der Kronrat hat darin keine leichte Handhabe (wie eben eine Absetzung) gegen Auswüchse.

Was den Flickenteppich (Variante 3) attraktiv macht – und seine Gefahren

Im Grunde hat Pierre die Vorteile schon sehr ausführlich geschildert – ich möchte nur noch einmal auf die Konsequenzen für das Storytelling eingehen. Letztlich treten dieselben Probleme auf, nur in viel geringerem Maße, sodass nur sehr schwer eine Bündelung von Macht gegen die Durchsetzungskraft des Kronrats erreicht werden kann.

Der Flickenteppich bringt aber notwendigerweise eine Vielzahl kleiner Herrschaftsgebiete hervor, die nicht alle von verschiedenen Kronräten „besetzt“ oder bespielt werden können. Manche Kronräte könnten also sehr wohl in mehreren Gebieten „Fakten schaffen“, wie ich es nennen möchte – und wie im späten Mittelalter, an dem wir uns offensichtlich stark orientieren, werden bevorzugt benachbarte Gebiete bespielt, im Zweifel mit anderen Spielern getauscht, und schon steht ein erweiterter, provinzähnlicher Einflussbereich eines einzelnen Kronrates. Und gegen die Bildung von Städtebünden, die sich oberflächlich überhaupt nicht gegen den Kronrat richten, im Gegenteil als „Handelsbündnis“ vorgestellt werden, aber ebenfalls provinzähnlichen Einfluss erlangen können, ist auch schwerlich anzukommen.

Ich hoffe, aus diesen Gedankenspielen wird klar, warum ich ständig behaupte, Storytelling-„Hoheit“ sei letztlich unvermeidlich und ein eigenständiges Thema, das sich mit der Wahl entweder eines zentralistischen oder eines föderativen Systems nicht mal einfach so auflösen lässt. In jedem System wird die Kreativität der Spieler unzählige Wege finden, sich Macht über bestimmte Gebiete zu erspielen – denn damit sind Vorteile im „normalen“ Politikbetrieb des Kronrates verbunden. HiHe hat das bereits vor ein paar Wochen so ähnlich festgestellt, und ich nehme an, er weiß, wovon er spricht?

Von allen Vorschlägen, die bisher in der Diskussion sind, wird allerdings Pierres Variante 3 des Flickenteppichs den Sorgen einer zu extremen Machtfülle eines Storytelling-Fürsten am ehesten gerecht. Gänzlich verhindern kann aber auch sie dies nicht. Und gerade die Kleinteiligkeit, die sich so günstig auf die Machtverteilung auswirkt, kann im besten Fall zu einem starken Nebeneinander mit Dutzenden von verschiedenen Kleinst-Kulturen führen, wenn sich denn überhaupt genug Spieler finden.

Da wir also mit keinem System das Erpressungspotential gänzlich beseitigen können und es auch kaum mindern können, ohne andere Nachteile zu erfahren, neige ich persönlich eher zu Variante 2 mit wenigen Spieler-Provinzfürsten, die sich dafür allerdings regelmäßig zur Wahl stellen müssen.

Wer bis hierhin gelesen hat, verdient ein großes Dankeschön. XD Einen schönen Sonntag noch ...

Kommentare

@Benares: Siehe mein neuer Beitrag hierzu, das ranschmeißen an NPCs kann durchaus verhindert werden. Wer sich durch viel Aktivität in einer Provinz Kompetenzen erwirbt und so plausiblere Storys bringen kann als andere ist das doch besser als wenn er ein Amt hätte, dass ihm diese Kompetenz gibt. – Markus am 08. Feb 2010
Im KR2 gab es außerdem unzählige De-facto-Länderfürsten, die einfach durch ihre Präsenz und aktives Schreiben (und oft auch Spielermangel) eine Storytelling-Hoheit gewannen und irgendwann völlig mit dem Land und seinen NPCs vernetzt waren. Wie will man das schon unterbinden? – Benares am 08. Feb 2010
NPCs kann man leicht angraben. Man muss die nicht einmal fest übernehmen, sondern denen einfach Präferenzen und Wertehaltungen unterschieben, und der Kronrat wird es akzeptieren, und auch die SL kann es nicht völlig unterbinden (und sollte sie auch nicht). – Benares am 08. Feb 2010
Ich bin überhaupt dagegen überhaupt Storytellingämter zu schaffen (schlechte Erfahrungen), besser die Provinzen NPCs zu überlassen, über die jeder schreiben kann. Beispiel Stadtgründung ist übertrieben und das plötzlich "kleinere Storys" nicht unter die StorytellingHOHEIT fallen ist ganz was neues. – Markus am 08. Feb 2010
oder Truppen ausheben kannst, ohne das Ok des Provinzstatthalters einzuholen!? Gegen kleinere Storys in der Provinz spricht ja auch nichts ... auch ohne Absprache ... ich kann deinen Standpunkt immer noch nicht wirklich nachvollziehen und sehe bei einer Hauptverantwortlichkeit auch keine Probleme! – Corly am 08. Feb 2010
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