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Zunächst einmal einen herzlichen Dank an Jakob für die Ausarbeitungen. Die erdachte Vorgeschichte finde ich in Ihrer schnörkellosen Art absolut gelungen und in jeder Hinsicht praktikabel. Ich war nie ein Freund von schnörkelbehafteten und ebenso voluminösen Verkünstelungen; Aus meiner Sicht ist eine Vorgeschichte, die nicht selten gerade Neulingen ein zügiges und damit umso produktiveres Einsteigen in den Kronrat ermöglicht einer langwierigen und damit auch komplexeren Vorgeschichte vorzuziehen. Also: Daumen hoch!

Kommen wir nun aber zur Verfassung: Hier sehe ich gleich mehrere Punkte, die nicht wenige Schwachstellen aufweisen und damit gerade dem politischen Element des ja auch als Politspiel ausgelobten Kronrats entgegenlaufen bzw. zumindest hemmende Wirkung entfalten könnten.

Gehen wir aber der Reihe nach vor:

Die Direktorenkonstruktion ist interessant und vor allem neu; missfällt mir jedoch aus einem ganz besonderen Grund: Es gibt fünf Direktoren; die Amtszeiten des ersten Direktors dauert 3 Monate; bis also der Direktor, der an letzter Stelle rangiert zum ersten Direktor geworden ist vergehen folgerichtigerweise 15 Monate, also fünf Quartale oder eben mehr als ein Jahr. Für ein mehr oder minder schnellebiges Online-Game ist ein solcher Zeitraum eine halbe Ewigkeit und entfaltet – wenn überhaupt –einschläfernde Wirkung, nicht aber das wohl gewünschte intrigenbehaftete Grundsetting, für das der Kronrat früher stets stand.

Oder anders gesagt: Ein politisches Spiel verlangt naturgegeben nach einem dynamischen und meist auch durch taktischte Winkelzüge angereicherten Setting. Ich wage jedoch sehr zu bezweifeln, dass durch die einmalige Wahl eines Direktors in einem Dreimonatsturnus jene dynamischen und auch intrigengeschwängerten Elemente befördert werden können, die das Spiel benötigt.

In den früheren Kronratsversionen wurden Regierungen gewählt, Schattenkabinette installiert, Konsule bestimmt usw. Diese Elemente waren – aus meiner Sicht – in maßgeblicher ja fundamentaler Weise für die Spielfaszination verantwortlich, die der Kronrat so meisterlich zu befördern wusste. Alle drei Monate mal die Wahl eines Direktors – sorry, das ist mir zu wenig und dient vor allem nicht dazu dem Kronrat jene Ausrichtung zu geben, die er gerade auch in der wohl etwas schwierigen Anfangsphase benötigt.

Natürlich müssen wir uns gedanklich von den alten Kronratsversionen lösen; vor allem müssen wir aber eine Sache berücksichtigen: Einige Dinge in den alten Versionen waren in maßgeblicher Weise für den Erfolg dieses Spiels verantwortlich. Die intrigenbehafteten Elemente gehörten – aus meiner Sicht - in jedem Falle dazu und entfesselten teils beeindruckende Spielmanöver. Vor diesem Hintergrund erscheint es angebracht eine etwas dynamischere Verfassung zu wählen und damit gerade die erfolgsversprechenden Elemente des Spiels wiederaufleben zu lassen.

Ich will aber nicht nur kritisieren, sondern zugleich einen Verfassungsvorschlag zur Diskussion stellen. Hier mein Vorschlag für eine Verfassung: §1

Die gesetzgebende Gewalt liegt in den Händen des Kronrats.

(2) Jeder in Estora geborene Mensch, egal ob Frau oder Mann, der, wenn er volle 16 Jahre alt ist, sich in das Bürgerregister seiner Heimatmark hat einschreiben lassen, der hierauf fünf Jahr lang in Estora gewohnt hat, und eine direkte Grundsteuer zahlt, ist berechtigt im Kronrat einzusitzen.

§2

Der Kronrat wählt einen König für die Dauer von 2 Monaten

§3

Der Kronrat wählt einen Kanzler für die Dauer von 2 Monaten

Aufgaben des Königs

§4

Binnen zwei Tagen nach Amtsantritt muss der König die Markgrafen benennen, die als Mittelsmänner zwischen den Regierungen der Grafschaften und dem Kronrat agieren. Sollte der König keine geeigneten Kandidaten finden, so kann er auch mehrere Markgrafschften zusammenfassen und einem einzigen Markgrafen zuweisen.

§5

Die Markgrafen können von dem König Ihres Postens enthoben werden. Der König muss in diesem Falle unverzüglich einen Nachfolger bestimmen.

§6

Mit Ablauf der Amtszeit des Königs, endet auch die Amtszeit der Markgrafen.

§7

Binnen zwei Tagen nach Amtsantritt hat der König einen Hofdiplomaten zu benennen, dem das außenpolitische Ressort untersteht.

§8

Der Hofdiplomat kann vom König seines Postens enthoben werden.

§9

Mit Ablauf der Amtszeit des Königs endet auch die Amtszeit des Hofdiplomaten.

Aufgaben des Kanzlers

§10

Binnen zwei Tagen nach Amtsantritt hat der Kanzler seine Minister zu benennen.

§11

Außer dem Auslandsressort kann der Kanzler jedem Ressort seiner Wahl einen Minister zuweisen. (2)Das Auslandsressort wird durch Hofdiplomaten geführt, der laut §4 zu benennen ist.

§12

Die Minister können vom Kanzler Ihres Postens enthoben werden.

§13

Mit Ablauf der Amtszeit des Kanzlers endet auch die Amtszeit der Minister

Markgrafen, Hofdiplomat und Minister

§14

Markgrafen, Hofdiplomaten und Ministern ist es erlaubt Staatssekretäre zu bestimmen, die Ihnen bei der Verrichtung Ihrer Aufgaben zur Hand gehen. (2) Markgrafen, Hofdiplomat und Minister müssen in angemessenem Turnus Rechenschaft über Ihr Ressort respektiv über Ihre Provinz ablegen.

§15

Der Reichsverweser Konstantin von Weldavar bleibt bis zu seinem Tode im Amt. (2) Danach wird der Reichsverweser vom Kronrat auf eine Amtszeit von 2 Jahren neu gewählt.

§16

Der Reichsverweser darf kein anderes öffentliches Amt innehaben.

§ 17

Der Reichsverweser leitet die Wahlen des Kronrats. (2) Er kann sich zu diesem Zweck seinen Sekretär aus dem Kronrat suchen, der ihn in dieser Aufgabe unterstützt.

§ 18

Die Verfassung von Estora kann nur mit Zustimmung des Reichsverwesers verändert, erneuert, ergänzt oder abgeschafft werden.

§ 19

Die Entscheidungen des Reichsverwesers in Verfassungsfragen sind für jeden bindend.

§ 20

Sowohl König als auch Kanzler können im Rahmen eines Misstrauensvotums Ihres Amtes enthoben werden.

§ 21

Mit der Amtsenthebung endet auch die Amtszeit der Markgrafen und des Hofdiplomaten (sofern der König seines Amtes enthoben wird) oder der eingesetzten Minister (sofern der Kanzler seines Postens enthoben wird).

§ 22

Estora besteht aus folgenden Grafschaften:

Name Grafschaft 1 Name Grafschaft 2 Name Grafschaft 3 Name Grafschaft 4 Name Grafschaft 5 Name Grafschaft 6

§ 23

Den Regierungen in den Grafschaften ist es gestattet eigene Gesetze zu erlassen

§ 24

Diese von der Grafschaft erlassenen Gesetze gelten nur in der entsprechenden Grafschaft

§ 25

Steht das Gesetz einer Grafschaft einem durch den Kronrat erlassenen Gesetz entgegen, so gilt die Gesetzgebung des Kronrates. Das Gesetz der Grafschaft wird als nichtig betrachtet.

§ 26

Die Abspaltung einer Grafschaft, einer Mark oder Teilmark ist den Provinzregierungen untersagt.

Ende

Man sieht hier deutlich. Ich habe versucht ein zweigliedriges System zu installieren, dass sowohl einen Kanzler, als auch einen König erlaubt.

Während der Kanzler die Regierungsgeschäfte über die Benennung von Ministern steuern kann, vermag der König durch die Benennung der Markgrafen maßgeblichen Einfluss auf die Geschicke der Grafschaften zu nehmen. Hier natürlich gilt es zu berücksichtigen, dass die Markgrafen zwar nur die Mittelsmänner zwischen der Regierung der Markgrafschaft und dem Kronrat sind; de facto jedoch eine Storrytelling Hoheit besitzen und damit mittelbaren Einfluss auf die Provinzpolitik nehmen können.

Dass natürlich hier gewisse Konflikte zwischen König und Kanzler ausgetragen werden, ist durchaus nicht ausgeschlossen. Diese Konstellation ist sogar beabsichtigt und dürfte – gerade auch weil König und Kanzler ähnliche Kompetenzen besitzen – zu einem stetigen Konkurrenzkampf der beiden Führungspersönlichkeiten führen. Die aus den Vorgängerversionen zuweilen bekannte Inaktivität der Führungspersönlichkeiten könnte so einigermaßen eingedämmt werden.

Außerdem bietet Sie deutlich mehr Gestaltungsspielraum als die vorgeschlagene Direktorenlösung – zumal auch eine royalistische Karriere (etwa als Markgraf und dann König) oder eine verwaltungstechnische Karriere (etwa als Minister und dann Kanzler) möglich gemacht wird.

Man könnte so also zwischen zwei Säulen wählen. Einerseits haben wir die eher Story-Telling lastige Säule, wo man als Markgraf regelmäßig Rechenschaftsberichte über die Geschehnisse in den Provinzen zu kommunizieren hat oder die stärker politisch geprägte Rolle – etwa als Minister. So kann jeder Spieler für sich entscheiden, welche Schwerpunkte er lieber legen würde. Gleichzeitig ist ein Wechsel zwischen royalistischer Säule (vom Markgraf zum Minister oder Kanzler) natürlich möglich. Damit dürften sowohl die Story-Teller, als auch die politischen Intriganten und Winkeladvokaten befriedet werden. Die Direktorenlösung ist mir da zu schwach ausgeprägt und nimmt zu wenig Rücksicht auf die Story-Teller. Auch beraubt man sich durch eine solche Direktorenlösung den regelmäßigen Wahlkämpfen (Für mich ein Highlight des Kronrates) und Schattenkabinettsintrigen, die dieses Spiel so berauschend genial gemacht haben.

Gerne bin ich jedoch für Anregungen, Kritik und neue Ideen offen. Was haltet Ihr also davon?

Kommentare

Das ist schon richtig, Batu. Die ältesten Beiträge hier - speziell die durch meine Person verfassten - sind eher als Brainstorming denn konkreter Vorschläge zu verstehen. – Pierre de Siorac am 06. Okt 2009
Ich glaube inzwischen ist eher das Ständewesen ein heißer Favorit zur gesellschaftlichen und nachher auch politischen Ordnung - oder sehe ich da den Diskussionsstatus falsch? – Batu am 06. Okt 2009

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Die Verfassungsfrage - Antworten

am 21. Sep 2009 hihe # 501

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06. Okt '09