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Dies ist die Antwort auf den Beitrag: Die Verfassungsfrage - Antworten


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Hallo Hihe,

so wie ich Jakobs Verfassungsvorschlag verstanden habe stehen die Direktoren den Ministerien vor. Hierzu den entsprechenden Artikel aus Jakobs Verfassungsvorschlag:

„Art. 7. Jeder Direktor steht einem oder mehreren festgelegten Ministerien vor.“

Eine aktive mediatorisch angelegte Spielleiterrolle schließt sich damit eigentlich aus bzw. dürfte als solche kaum wahrnehmbar sein – immerhin wären dann die Spielleiter in beträchtlichem Umfang in die internen In Game Spielprozesse eingebunden und damit vor Gewissenskonflikten nicht geschützt. Vor diesem Hintergrund habe ich die Direktoren stets immer als In Game Spieler wahrgenommen, die nun mal die herrschende politische Kaste repräsentieren, nicht aber regulatorische Spielleiterfunktionen übernehmen. Jakob kann mich hier aber gerne korrigieren, sollte ich hier gewisse Ausprägungsformen der Verfassung missinterpretiert haben.

Zu den 3 Monaten. Ich habe die Verfassung wie folgt interpretiert:

Es gibt fünf Direktoren. Der erste Direktor verfügt über eine gewisse Richtlinienkompetenz (wenngleich dies in der Verfassung nicht so recht herausgearbeitet wurde); die übrigen 4 stehen gewissen, vorher festgelegten Ministerien vor. Ist nun die Amtszeit des ersten Direktors abgelaufen, so rückt der an zweiter Stelle stehende Direktor eine Stufe auf und wird damit zum ersten Direktor. Die übrigen Direktoren rücken hierauf auch eine weitere Stufe auf. Die Position des letzten Direktors wird damit vakant (da ja der letzte Direktor durch das ausscheiden des ersten Direktors zum 4 Direktor aufgerückt ist). Der Kronrat wählt also alle 3 Monate den fünften Direktor. Dieser wird jedoch – vorausgesetzt er bleibt aktiv – erst nach mehr als einem Jahr zum ersten Direktor aufgestiegen sein.

Ich möchte in diesem Kontext zwei schwerwiegende Knackpunkte problematisieren, denen wir schon im Vorfeld angemessen begegnen müssen:

  1. Anstatt einem der Kernaspekte des Spiels – nämlich das regelmäßige Postengeschacher bei anstehenden Wahlen, die Schattenkabinettsbildung usw. – jenen Spielraum einzuräumen den es verdient hätte, verzichten wir durch die Direktorenlösung nahezu vollständig darauf. Anstatt einen Kanzler oder einen König zu wählen, der mit einem eigenen Kabinett antritt und damit auch mutige politische Richtungswechsel möglich machen könnte, wählt man stattdessen nur den 5 Direktor; eine politische Figur also, die – wenn überhaupt – erst in mehr als einem Real Life Jahr mit einer gewissen Richtlinienkompetenz ausgestattet sein wird. Die Bildung von Schattenkabinetten, das Postengeschacher im Vorfeld einer Wahl, die Hinterzimmerabsprachen und Intrigen – all diese Elemente würden zwar nicht vollständig wegfallen, jedoch in wesentlich weniger ausgeprägtem Umfange vorkommen. Dieser Punkt beraubt dem Spiel – aus meiner Sicht – eines maßgeblichen Elements und strebt einer wenig sinnigen, da spielspaßgefährdenden Richtung zu.

  2. Die Fünf-Direktoren Lösung dürfte sich gerade auch bei hoffentlich recht zügig steigender Spieleranzahl überleben. Pareto hat in seiner 80/20 Regel einen wichtigen Aspekt thematisiert, den wir uns – mit Blick auf die Spielbalance – nähern sollten. Nahezu sämtliche politische Systeme streben einer 80/20 Regel zu, die letztlich besagt, dass im Laufe der Zeit 20% aller Individuen 80% aller Ressourcen auf sich vereinigen. Im Kronrat werden die Ressourcen in Form von Macht gemessen und finden Ihren politischen Ausdruck in der Innehabung eines Amtes. Sollte der Kronrat jedoch jemals wieder mehr 100 Spieler haben – wie zu den Hochzeiten um die Jahrtausendwende und einige Zeit danach – so würde hier durch die fünf Direktoren eine gefährliche Asymmetrie entstehen, die letztlich entweder zu einer Abwanderung von Spielern führt (mangels politischer Aufstiegschancen), oder eben zwingend eine Korrektur der Spielsystematik nach sich ziehen müsste. Grund: Die Gestaltungsspielräume der Neulinge wären zu gering; vor allem dann, wenn die einzige Aussicht darin besteht irgendwann mal Direktor werden zu können. Hier fehlt mir die Buntheit, die Kronrat 1 auszeichnete.

Vor diesem Hintergrund sollte das System lebendig und vor allem flexibel genug sein, um eine Anhebung der Anzahl der Eliten zu ermöglichen. Die Begrenzung auf 5 Direktoren kann diese notwendigen flexiblen Elemente nicht bieten.

Dann zu den Markgrafen. Hier sprichst Du, Hihe, einen wichtigen Punkt an. Die gefühlte Storytellinghoheit der Markgrafen und dann der Konsule im KR1 hat mich so manches mal gestört. Dennoch muss man eines zugeben: Das System war deutlich besser als das im KR2. Hier nämlich agierten die Landesfürsten eben als Landesfürsten und nicht als Mittelsmänner zwischen Kronrat und Landesregierung. Insoweit erscheint es mir ausgesprochen wichtig zu diesem System aus KR1 zurückzukehren. Markgrafen sollen eben nur die Mittelsmänner und nicht – wie in KR2 – die tatsächlichen Herrscher sein. Die Abspaltungsexzesse des KR2 (ursächlich herbeigeführt durch die alleinherrschenden Landesfürsten) haben das Spiel letztlich zerstört und können hier definitiv als nachhaltiges Kriterium für den Niedergang des Kronrat 2.0 betrachtet werden.

Die Kritik an der von mir angesprochenen Storytellinghoheit ist zwar berechtigt; dennoch hat gerade diese Struktur auch etwas gutes gehabt. Die Markgrafen und später die Konsule haben gewissermaßen für die nötige Stringenz und Bespielbarkeit der Provinzen gesorgt. Die sonst teils kakophonischen und widersprüchlichen Meldungen aus den Provinzen wurden quasi durch den Konsul bzw. den Markgrafen gefiltert und haben damit letztlich auch zu einer gut nachvollziehbaren Historie der Provinzen geführt. Einzig störend war für mich stets immer, dass die Konsule teils zu eifersüchtig und vor allem vehement diese Storytellinghoheit verteidigt haben. Um dieses Problem zu umgehen habe ich in meinem Verfassungsvorschlag den Markgrafen die Pflicht auferlegt Staatssekretäre zu benennen. So könnte jeder Mitspieler, der sich in einer Provinz engagieren möchte – der sich vielleicht auch mit der Ambition trägt selbst einmal zum Markgraf zu werden – als bediensteter Staatssekretär in den Dienst eines Markgrafen treten und so seine ersten landespolitischen Sporen verdienen.

Diese Möglichkeit hat mit im Kronrat 1 stets immer gefehlt, hätte jedoch letztlich dazu geführt, dass gerade auch auf Provinzebene nicht nur die Konsule matronenhaft über wohl und wehe Wachen, sondern eben auch Neulingen gewisse Einstiegsmöglichkeiten eröffnet.

Soviel zu meinen Gedanken. Ich hoffe Jakob nimmt mir die Kritik an seiner Direktorenlösung nicht übel, aber mir fehlt hier schlicht die zweite – nämlich die Story-Telling Säule – und zum anderen das politische Ränkespiel um die Posten; beides war aus meiner Sicht maßgeblich für den Erfolg des Kronrates verantwortlich. Wir sollten nicht den Fehler machen und diese beiden tragenden Elemente völlig ausklammern.

Kommentare

Die Ständeidee bringt glaub ich bei mehreren Ämtern und der potentiellen Wahlfähigkeit aller Räte genügend Dynamik in die Wahlen. – Batu am 06. Okt 2009
Ich glaube ich muss bei Glegenheit meine Gedanken noch einmal ausführen... – Jakob am 23. Sep 2009
... also fast, wie im richtigen Leben. – Christian am 21. Sep 2009
Gab es das mit den Staatssekretären nicht auch schon mal und diese Posten wurden dann einfach mit (potentiell genauso aktiven) Freunden besetzt, die einem auch nicht "reinreden"? – Maurakin am 21. Sep 2009

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am 21. Sep 2009 Maurakin # 242

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